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Parasiten von Kaninchen


Darmparasiten von Kanichen (Würmer, Kokzidien, Hefen, usw.)

Autor: Malek Hallinger, Tierarzt, Zusatzbezeichnung Reptilienkrankheiten

1. Kokzidiose (Infektion mit Kokzidien); Eimeriose

Warum spielen Kokzidien bei Kaninchen eine Rolle?

Die sogenannte Kokzidiose ist die häufigste Parasitenerkrankung beim Kaninchen. Sie kann insbesondere bei Jungtieren für hohe Verluste in Absatzalter verursachen. Kokzidien (Coccidia) sind einzellige Parasiten, die im Magen-Darm-Trakt des Kaninchens parasitieren, sich dort vermehren und in ihrem Entwicklungszyklus den Darmtrakt schädigen. Beim Kaninchen kommen unzählige Arten von Kokzidien vor, jedoch gehören alle der Gattung Eimeria an. Diese einzelligen Parasiten sind in Zuchtbeständen, aber auch bei Privathaltung, leider weit verbreitet.

Welche Arten von Kokzidien parasitieren bei Kaninchen?

Es sind über viele Kokzidienarten der Gattung Eimeria beim Kaninchen nachgewiesen: Eimeria stiedai, Eimeria magna, perforans, Eimeria media, Eimeria irresidua, Eimeria piriformis, Eimeria coecicol, Eimeria elongata, Eimeria intestinals, Eimeria matsubajashii, Eimeria nagpurensis, usw.

Dier Kokzidien unterscheiden sich in ihrer krankmachenden Eigenschaft: Diese Eigenschaft hängt von den Vermehrungszyklen der Kokzidien im Darm ab (sogenannte Merogonien), insbesondere Kokzidienarten, die mehrere Merogonien (z.B. Eimera flavescens / Eimeria interstinalis) durchführen sind möglichweise krankmachender, als andere Kokzidien. Außerdem hängt die Entwicklung einer deutlich sichtbaren Kokzidiose auch von anderen Faktoren ab, z.B. ob mehrere Kokzidien-Arten bei dem Kaninchen gleichzeitig parasitieren und so verschiedene Abschnitte des Darmes schädigen, aber auch wie hoch der Befall ist und ob bakterielle Sekundärinfektionen vorliegen.

WICHTIG: Häufig liegen aber auch Mischinfektionen mit verschiedenen Kokzidien-Arten vor!

 

Eimeria flavescens (Oozyste, unsporuliert) im Kot von einem Kaninchen

Wie zeigen sich Kokzidien-Erkrankungen bei Kaninchen?

Man unterscheidet beim Kaninchen zwei Krankheitsformen der Kokzidiose, zum einen die Leberkokzidiose, zum anderen die Darmkokzidiose.

Die Leberkokzidiose

Diese Form ist eher eine Gallengangskokzidiose, da sich die Parasiten in den Gallengängen der Leber vermehren. Die Erkrankung wird durch Gallengangskokzidien (Eimeria siedai) hervorgerufen. Die Parasitenstadien gelangen über die Gallenflüssigkeit in den Darm und werden von dort mit dem Kot ausgeschieden. Diese mit dem Kot ausgeschiedenen sogenannten „Oozysten“ bleiben unter feucht-warmen Bedingungen monatelang in der Außenwelt infektiös. Die Ansteckung erfolgt über die orale Aufnahme dieser Stadien in der Außenwelt (z.B. mit dem Futter). Wenn sich Kaninchen mit diesen Erregern infizieren, kann es zu Krankheitsanzeichen wie Leberproblemen, Durchfall und Verdauungsstörungen kommen. Hier sind insbesondere ältere, erwachsene Tiere betroffen: Diese Form der Kokzidiose befällt nur die Leber (Leberkokzidiose) und führt zu einer Schwellung und auch zu entzündeten Gallengängen. Es bilden sich gräulich-weiße Abszess-artige Knubbel in der Leber. Wie schon erwähnt, tritt diese Form oft bei älteren Tieren auf und führt zur stetigen Abmagerung und stumpfen Fell, die Tiere haben oft ein schlechtes Allgemeinbefinden und fressen irgendwann weniger. Weitere Symptome sind ähnlich wie bei anderen Lebererkrankungen, jedoch sollte immer eine Leberkokzidiose ausgeschlossen werden mittels einer Kotuntersuchung.

 

unsporulierte Kokzidien-Oozysten (Kaninchen)

Die Darmkokzidiose

Bei der Darmkokzidiose vermehren sich die Kokzidien in der Darmwand und können diese so schädigen. Inbesondere die beiden Arten Eimeria flavescens und Eimeria interstinalis gelten als „krankmachendere“ Kokzidienarten. Häufig liegen aber auch Mischinfektionen mit anderen Kokzidien vor, die im Darm parasitieren. Erkrankte Kaninchen zeigen häufig Verdauungsstörungen, wässrigen bis übelriechenden Durchfall, Tympanien und Appetitlosigkeit. Auch Todesfälle können vorkommen, insbesondere wenn Jungtiere erkranken. Generell sind Jungtiere auf Grund ihrer nicht so gut ausgeprägten Immunkompetenz anfälliger für Darmkokzidien als erwachsene Tiere. Insofern sollten Absatzkaninchen (ca. 6-8 Wochen) unbedingt auf Kokzidien untersucht und, wenn nachgewiesen, auch behandelt werden. Darmkokzidien können auch ohne Symptome oder Krankheitsanzeichen vorhanden sein, insbesondere wenn die Kaninchen eine gewisse Immunität gebildet haben oder eine Infektion mit weniger krankmachenden Kokzidien vorliegt. Wenn die Parasiten sich stark vermehren oder ein Tier gestresst oder geschwächt ist, kann es aber zum Krankheitsbild der sogenannten Kokzidiose kommen. Diese verursachten Symptome wie (wiederkehrende) Ausgasungen und Magenüberladungen, seltener auch Durchfall (oft übelriechend), vermehrt herumliegender Blinddarmkot, unförmiger/matschiger Kot, Abmagerung, aufgedunsener Bauch, schlechte Futteraufnahme und andere Störungen der Verdauung. Im fortgeschrittenen Stadium stellt das Kaninchen die Nahrungsaufnahme ein oder wird apathisch. Betroffene Jungkaninchen sind oft abgemagert oder entwickeln sich schlecht oder langsam, teils kommt es bei Jungtieren auch zu Massensterben. In manchen Fällen werden bei Kaninchen auch Lähmungen, Ausfluss aus Maul und Nase, Fieber und Krämpfe durch Kokzidien ausgelöst. Im Darm werden weißliche, dicke Stellen sichtbar. Oft sind alle Kaninchen der Gruppe infiziert, aber nur einzelne, geschwächte Tiere, zeigen Symptome!