Hexamiteninfektion bei Schildkröten

Hexamiten sind "Flagellaten" (Geißeltierchen), gehören also zu den Einzellern. Die Infektion erfolgt oral oder über die Kloake. Auch direkter Tierkontakt (Deckakt) oder die Verschleppung über kontaminierte Gegenstände können zur Ansteckung führen. Hexamiten weisen einen direkten Lebenszyklus auf. Das heißt, es werden keine Zwischenwirte benötigt, um den Entwicklungszyklus des Parasiten zu vollenden. Die ausgeschiedenen Dauerstadien (Zysten) sind direkt ansteckend. Ein geringgradiger Befall des Darmes kann ohne zu sichtbaren Symptomen zu führen über Jahre bestehen. Über die Kloake können Hexamiten jedoch die „Harnblase“ oder über die Harnleiter die Nieren erreichen und dort zu Entzündungen und Degenerationen führen. Die Gallenblase und anschließend die Leber können über den Hauptgallengang besiedelt werden, was ebenfalls zu krankhaften Veränderungen führen kann. Typisch für einen Hexamitenbefall ist der chronische Verlauf. Krankheitsanzeichen bei einer Hexamitiasis sind Apathie, Fressunlust, häufiger Absatz von gallertigem/ schleimigem, übelriechendem Urin oder Kot, Nachhandschwäche, Kloakenvorfall, Körpermasseverlust, Anzeichen von Austrocknung des Tieres trotz vermehrter Wasseraufnahme und Störungen im Mineralstoffwechsel.

Krankheitsanzeichen werden unglücklicherweise erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung ausgebildet, in dem aufgrund der vorliegenden Organschädigung eine Behandlung oft nicht mehr erfolgreich verläuft und das betroffene Tier verstirbt. Daher muss bei Hexamitenbefall immer eine Behandlung erfolgen, auch wenn keine Krankheitsanzeichen sichtbar sind. Ihrem Tierarzt stehen dazu wirksame Medikamente zur Verfügung. Wir beraten gerne Kollegen zu Wirkstoffen, Applikation und Dosierung.

Bei Verdacht auf Hexamitenbefall ist das Tier in Quarantäne zu halten und auf strenge Hygiene (v.a. Vermeidung von möglichen Infektionsquellen) ist zu achten. Eine Desinfektion erfolgt thermisch (Abkochen, Dampfstrahler) und durch Trockenhalten des Bodensubstrates. Vorbeugend sollte bei Neuzugängen eine 3-monatige Quarantäne durchgeführt werden. In diesem Zeitraum empfiehlt sich die parasitologische Untersuchung einer möglichts frischen (nicht ausgetrockneten) Kot- bzw. Urinprobe im spezialisierten Labor (Hexamiten sind für Ungeübte nicht leicht von anderen Flagellaten zu unterscheiden). Die Haltungs- und Ernährungsbedingungen sind optimal zu gestalten und ein besonderes Augenmerk ist auf eine sinnvolle Besatzdichte zu richten.

 


 
   
© Exomed GbR