Kokzidienbefall bei Reptilien

 

Kokzidien weit verbreitete Einzeller, die traditionell als "Sporentierchen" bezeichnet wurden, heute jedoch zumeist den "Apicomplexa" zugeordnet werden. Sie sind in den meisten Fällen durch einen direkten Lebenszyklus gekennzeichnet. Das heißt, die mit dem Kot ausgeschiedenen Oozysten (=Entwicklungsstadium der Sporentierchen) sind nach kurzer Reifung in der Außenwelt direkt wieder ansteckungsfähig. Dadurch kann sich im begrenzten Raum eines Terrariums schnell ein Massenbefall entwickeln. Nach neueren Untersuchungen besteht bei Reptilien keine ausgeprägte Immunität, und daher kein Schutz vor Wiederansteckung. Das bedeutet, dass nach einer durchgemachten Erkrankung das Tier jederzeit wieder eine Kokzidieninfektion erleiden kann. Dabei verlängert sich sogar die Patenz (Infektionsdauer mit Parasiten, in dieser Zeit Ausscheidung ansteckungsfähiger Produkte!). Die Kokzidien der Reptilien sind nicht immer wirtsspezifisch. Damit ist gemeint, dass gelegentlich auch Tiere anderer Spezies von den gleichen Kokzidienarten befallen werden können. Die Infektion erfolgt über die orale Aufnahme der gereiften Oozysten. Im Darm dringen die Entwicklungsstadien in die Zellen der Darminnenauskleidung ein und vermehren sich dort. Es gibt jedoch auch Kokzidien, die sich in Leber, Galle oder sogar Niere vermehren. Als Krankheitsanzeichen finden sich Darmentzündungen, die z.T. blutig erscheinen, Einstülpungen des Darmes oder Verstopfungen. Vor allem Jungtiere sind davon betroffen. Durch den Durchfall verlieren die Tiere Wasser und trocknen aus. Infolge dessen können die Nieren nur unzureichend durchblutet werden und der Tod tritt als Folge eines Nierenversagens ein. Bei älteren Tieren treten vermehrt chronische Infektionen auf, bei denen teilweise große Oozysten- Mengen ausgeschieden werden. Dem Tierarzt stehen wirksame Medikamente gegen die meisten Kokzidienspezies zur Verfügung. Diese können jedoch nur dann die Erreger vollständig beseitigen, wenn die Tiere durch sehr gute Hygiene wirksam vor einer Wiederansteckung geschützt werden. Das beinhaltet die Entfernung des Bodensubstrates und sämtlicher Einrichtungsgegenstände sowie die Hälterung in einem „sterilen“ Quarantäneterrarium. Tägliches Entfernen der Einstreu ist ebenso notwendig wie die tägliche Reinigung von Wasserschalen. Als Desinfektionsmittel eignen sich kresolhaltige Präparate, diese werden jedoch von den meisten Reptilien sehr schlecht vertragen, so dass ein Kontakt von Terrarientieren mit dem Desinfektionsmittel unbedingt vermieden werden muss.  Eine thermische Desinfektion (Dampfstrahler) ist jedoch ebenfalls möglich. Letztere ist als umweltfreundlicher und ebenfalls sehr erfolgsversprechend anzusehen, wenn Temperaturen über 65 °C erreicht werden können. Nach Abschluss der Therapie sollte erneut eine Kotprobe untersucht werden, um den Erfolg der Therapie zu überprüfen.

 

 

Literatur:

Mutschmann, Frank, Parasitosen der Reptilien, in Schnieder, Thomas (Hrsg.), Veterinärmedizinische     Parasitologie, 2006, 739- 769 
Gabrisch, K., Zwart, P.:     Krankheiten der Heimtiere, 2006 
Beck, W., Pantchev, N.,     Praktische Parasitologie bei Heimtieren, 2006

   
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