Kokzidien bei Meerschweinchen

 

Von Katharina Kull; Meerschweinchenzüchterin aus Hamburg - Instagram: @cavies.vom.erdbeerfeld


Disclaier: Dieser Text ist ein Gastbeitrag unser/einer Kundin und keine Behandlungsanleitung zur „Eigenregie“. Er dient lediglich der Information bzw. der Aufklärung für PrivaterhalterInnen! Der Fokus soll hier auf dem Umgang und den Behandlungsmöglichkeiten von Kokzidiose bei Meerschweinchen liegen.

 

Kokzidiose bei Meerschweinchen

 

Die Erkrankung von Meerschweinchen an Kokzidien ist oft schwerwiegend und kann zum Teil lebensbedrohlich verlaufen, insbesondere bei Jungtieren. Daher sollte immer sofort und unter tierärztlicher Anleitung behandelt werden. Da ich selbst einen Befall hatte und diesen relativ zügig und ohne Verluste bekämpfen konnte, enthält dieser Artikel „Werbung“ der von mir genutzten Produkte und der von mir durchgeführten Anwendung / Vorgehensweise. 

 

Was sind Kokzidien?


Die Kokzidiose ist eine zwischen Meerschweinchen übertragbare Erkrankung der Darmschleimhaut, selten auch der Nieren. Kokzidien sind Einzeller, auch Protozoen genannt, die sich im Darm einnisten und dort die Darmzotten zerstören. Die Wirtstiere können dann die Nahrung nicht mehr richtig verdauen und nehmen so immer weniger oder sogar gar keine Nährstoffe mehr auf. Daraus resultiert in den meisten Fällen heftiger Durchfall und Verdauungsstörungen mit typischen Symptomen wie Fressunlust, Aufgasungen oder/oder Abmagerung. 


Kokzidien entwickeln sich in einem mehrphasigen Zyklus. Sie vermehren sich im Wirt, wobei die reifen Stadien Oozysten (Eier) in den Darm abgeben. Durch den Kot der befallenen Meerschweinchen werden diese Oozysten (Eier) ausgeschieden, welche in der Außenwelt monatelang überleben können. Sie sind sehr resistent gegenüber Umwelteinflüssen, aber beispielsweise gegen Trockenheit empfindlich. Sie haben eine äußere Hülle und eine innere Hülle, die bei der Bekämpfung aufgebrochen werden müssen. In der Außenwelt durchlaufen die Oozysten eine Reifung (Sporulation), die besonders schnell in einer warmen und feuchten Umwelt abläuft. Die Übertragung im Bestand und Aufnahme der danach infektiösen Oozysten erfolgt oral über den Kot, kontaminiertes Futter, Einstreu und sogar bzw. insbesondere durch kontaminierte Bio-Produkte.


Viele Säugetiere sind von ihren „ganz eigenen“ Kokzidien befallen. Bei Meerschweinchen handelt es sich um die Kokzidien-Art Eimeria caviae. Man kann die Endoparasiten auch bei klinisch gesunden Meerschweinchen vorfinden. Normalerweise besteht dabei ein Gleichgewicht zwischen den Parasiten und der Immunabwehr des Wirtes, wenn die Tiere gesund sind. Klinische Symptome findet man daher nur bei solchen Tieren, bei denen (durch Schwächung der Immunabwehr infolge anderer Erkrankungen oder Stress) sich diese Parasiten stark vermehren können bzw. wenn eine ständige Reinfektion erfolgt (z.B. in einem mit den Oozysten hochgradig kontaminierten Gehege).


Man unterscheidet die Darmkozidiose (Eimeria caviae), welche häufiger auftritt.

 

Typische Symptome sind

  • Durchfall (kann blutig sein) oder matschiger Kot und unförmige Köttel
  • Fressunlust / Appetitverlust
  • Blähbauch (Tympanie)
  • glanzloses, struppiges Fell
  • möglicher Tod, wenn der Befall sehr stark ist und keine Behandlung angesetzt wird. (Die Sterberate liegt bei bis zu 40 % innerhalb der ersten 2-3 Wochen) 

     

Weiterhin gibt es noch die Nierenkokzidiose (Klossiella cobayae). Diese hat in der Regel keine sofortigen (akuten) Symptome, aber mit dem Fortschreiten der Erkrankung der Niere kann sich das Allgemeinbefinden der Tiere schließlich stark verschlechtern

 

Diagnose:
 


Die Diagnose von Kokzidien bei Meerschweinchen erfolgt durch eine Kotuntersuchung in der Praxis oder im Labor. Da Kokzidien nur dann im Kot feststellbar sind, wenn sie gerade Oozysten (Eier) ausscheiden, sollte man eine Sammelprobe über mehrere Tage (1-3 Tage) abschicken. Dabei werden über mindestens drei Tage kleine Mengen Kot (ein paar Köttel sind ausreichend) in einem Gefäß gesammelt. Passende Gefäße gibt es beim Tierarzt oder in Apotheken/ im Onlinehandel zu erwerben. Damit kann beim Sammeln und Versenden fast nichts mehr schiefgehen. Da die Kokzidien nicht jeden Tag ausgeschieden werden, erhöht sich mit einer Sammelkotprobe die Wahrscheinlichkeit, die Oozysten bei einer Kotuntersuchung zu erwischen. 
 


Behandlung: 

 

In der Praxis werden Kokzidien mit dem Wirkstoff Toltrazuril („Baycox“) behandelt. 

Wichtig zu beachten: Das Meerschweinchen muss immer vor der Behandlung gewogen werden! Danach wird der Tierarzt dann ausrechnen, wieviel es von der Lösung bekommen muss. Man gibt das Mittel einmal täglich für 3 Tage oral (pur direkt ins Mäulchen) ein. Nach 3 Tagen Pause wird es erneut 3 Tage gegeben. Es tötet in der Regel alle Entwicklungsstadien der Kokzidien im Darm zuverlässig ab. Man sollte allerdings beachten, dass sich auch gegen Antikokzidia (wie Toltrazuril), ähnlich wie gegen Antibiotika, Resistenzen bilden können. 

 

Alternativ können die Kokzidien bei Meerschweinchen auch durch Sulfonamide (Antibiotika) behandelt werden. Die Wirksamkeit ist nicht so zuverlässig, wie bei dem Toltrazuril, aber kann bei einem persistierenden Problem ausprobiert werden. Bei einer Behandlung mit Antibiotika sollte man immer bedenken, dass sie auch die "positiven" Bakterien im Darm abtöten. Durch das gestörte Gleichgewicht der Bakterien im Darm („Dysbakteriose“) können andere Darmerkrankungen begünstigt werden. Eine unterstützende Behandlung mit Stabilisatoren der Darmflora (z.B. „BeneBac“) kann sich günstig auf den Verlauf der Erkrankung auswirken. Wichtig ist auch Vitamin C zu supplementieren, da dessen Aufnahme durch die Kokzidien ebenfalls gehemmt ist. 

 

Bei einem positiven Befund müssen alle Tiere des Bestands behandelt werden, denn auch Meerschweinchen ohne Symptome scheiden die Kokzidien-Dauerstadien mit dem Kot aus und man wird die Infektion ohne eine Behandlung aller Tiere leider nicht los. Nach Abschluss der Behandlung wird der Kot erneut untersucht, um den Therapieerfolg zu kontrollieren. 

 

Hygiene:
 


Auf Hygiene muss bei einem Befall mit Kokzidien selbstverständlich besonders geachtet werden:

  • Die Einstreu muss täglich gewechselt werden
  • der Käfig gründlich gereinigt werden - besonders die Futterraufen 
  • Heu darf nicht vom Boden gefressen werden, sondern nur noch aus Heuraufen, da sonst die Erreger natürlich immer wieder oral aufgenommen werden, wenn verschmutzte Nahrung gefressen wird. 
  • Bereits kochendes Wasser ist zur Inaktivierung der Oozysten ausreichend. Wirksame Desinfektionsmittel sind z. B. Sagrotan, Bactazol.
  • Einfacher ist es, in dieser Zeit auf Pappkartons als Häuschen zurückzugreifen, da diese mühelos entsorgt werden können. 
  • Hängematten und Kuschelhäuser (alle Textilien) kann man normal in der Waschmaschine waschen, wenn man Hygiene-Spüler benutzt

 

Tipps einer Meerschweinchen-Züchterin und Halterin:

 

Ich rate dazu, wenn man viele Tiere hält bzw. züchtet, in regelmäßigen Abständen den Kot der Meerschweinchen untersuchen zu lassen. Kotuntersuchungen sind im Vergleich zu den Kosten und dem zeitlichen Aufwand bei einer Infektion nicht teuer. Wenn Kokzidien nachgewiesen werden, ist Vorsorge besser als Nachsorge und man kann schnell reagieren, ohne starke Symptome zu haben oder gar Verluste zu erleiden.
Ich selbst teste den Kot neuer Tiere während der Quarantäne und meinen gesamten Bestand mindestens 1x im Jahr. Nach plötzlichen Todesfällen oder „Bauchgefühl“ auch öfter. Hierzu nutze ich die Kotprobensets (enthalten Kotröhrchen, Rücksendeumschlag und beim Kauf ist die Untersuchung inklusive) von „exomed“. Das Ergebnis habe ich dort bis jetzt immer zwei Tage nach Abschicken erhalten. Fragen werden sehr schnell beantwortet.


Weitere Tipps: Kräuter können ebenfalls eine unterstützende Wirkung haben!


- Oregano kann man täglich verfüttern. Er hilft bei Darmbeschwerden, wirkt appetitanregend, verdauungsfördernd und wurde auch bei Kokzidiose erfolgreich als „natürliches Antibiotikum“ eingesetzt.
- Thymian wirkt entzündungshemmend, schleimlösend, stärkend, desinfizierend. Er hat eine natürliche Antibiotikum-Wirkung, stärkt aber gleichzeitig das Immunsystem - im Gegensatz zu den echten Antibiotika, die durch die Zerstörung der Darmflora immunschwächend wirken. 
- Rosmarin kurbelt den Kreislauf an und stärkt das Immunsystem. Weiter hilft er gegen Durchfall und wirkt Aufgasungen vor. Er hilft auch gegen Appetitlosigkeit. 

 

Ein Bild, das Text enthält.

Automatisch generierte Beschreibung




 

Ich habe die drei oben aufgeführten Sorten online bei „vom Achterhof“ bestellt, da dort das beste Preis-Mengen-Verhältnis besteht und ich den Versand auch bereits für selbst genutzte Gewürze kannte. Oregano-Spray (super, um es auf das Heu oder das Frischfutter zu geben), habe ich bei Grünhopper bestellt. Grünhopper hat tatsächlich auch ein anti coccidia Futtermischung, welche ich ebenfalls bestellt habe.